Fachforum Onlineberatung mit Prof. Johannes Herwig-Lempp und Dr. Joachim Wenzel

Eröffnet wird das diesjährige Fachforum Onlineberatung von Prof. Johannes Herwig-Lempp und Dr. Joachim Wenzel in Form eines Dialogs zum Thema „Konzepte der Präsenzberatung in der Onlineberatung: zur Übertragbarkeit bzw. Eigenständigkeit von Beratungsansätzen online“.

Das Thema beschäftigt Onlineberatende wohl schon seit Beginn der Onlineberatung und zunächst wurde vor allem herum experimentiert und ausprobiert. Die Frage, welcher Beratungsansatz besonders geeignet für die Onlineberatung sein könnte und welche Methoden auch im Online-Setting „funktionieren“ ist bis heute nicht eindeutig beantwortet. Und vermutlich ist dies auch gut so, denn es lässt der (Online-)Beratung den nötigen Spielraum sich immer  weiter zu entwickeln. Gleichwohl finden sich bestimmte Haltungen und Ansätze in der Onlineberatung immer wieder – systemische Beratung scheint hierbei, wie auch in der Face-to-Face-Beratung derzeit ‚State of the Art‘ zu sein.

Umso spannender wird darum der Eröffnungsdialog zwischen Herwig-Lempp und Wenzel. Beide von Hause aus Systemiker haben ganz unterschiedliche Ausgangspunkte, die in ihren Vorerfahrungen begründet liegen. Prof. Herwig-Lempp, der seit 1998 Professor für Systemische Sozialarbeit/ Sozialarbeitswissenschaften an der Hochschule Merseburg im Fachbereich Soziale Arbeit.Medien.Kultur ist und freiberuflich als Supervisor und Fortbildner tätig ist, hat sich in den vergangenen Jahren u. a. mit dem Thema Methoden befasst. Wie er diese nun auch online für umsetzbar hält bzw. nicht hält dürfte spannend werden.

Dr. Wenzel hingegen hat sich u. a. in seiner Dissertation zum Thema „Wandel der Beratung durch neue Medien“ und anderen zahlreichen Veröffentlichungen mit Onlineberatung befasst. Nachdem er viele Jahre dem Leitungsteam der Telefonseelsorge Mainz-Wiesbaden angehört hat, ist er inzwischen selbständig tätiger Systemischer Berater, Therapeut und Supervisor. Unter dem Stichwort „Mythos der Unmittelbarkeit der Face-to-Face-Beratung“ hat sich Wenzel in der Vergangenheit bereits kritsich mit (Online)Beratung befasst.

Das Fachforum Onlineberatung findet am 19. und 20. September 2016 in Nürnberg statt. Alle Infos zum weiteren Programm und zur Anmeldung gibt es unter: www.e-beratungsinstitut.de/fachforum

 

Programm des 9. Fachforum Onlineberatung online

Nun ist das Programm für das 9. Fachforum Onlineberatung, das am 19./20. September 2016 in Nürnberg stattfindet und vom Institut für E-Beratung in Kooperation mit der Deutschsprachigen Gesellschaft für psychosoziale Onlineberatung (DGOB), der Onlineberatung der Caritas, sextra und der bke-Onlineberatung veranstaltet wird online.

Die Teilnehmenden erwartet eine Mischung aus Fachvorträgen und Diskussionsforen zu aktuellen Themen rund um die Onlineberatung. Das komplette Programm finden Sie hier.

Die Anmeldung ist ab sofort hier möglich.

Neue Kurstermine für die Weiterbildung zum/r zertifizierten Onlineberater/in an der TH Nürnberg

Nun stehen die Termine für die nächsten Weiterbildungsdurchgänge im „Hochschulzertifikat Onlineberatung“ vom Institut für-Beratung an der TH Nürnberg fest.

Wegen der großen Nachfrage wird noch im Herbst diesen Jahres ein weiterer Kurs starten. Im März 2017 dann der nächste Kursdurchgang.

Die Weiterbildung schließt mit einem Zertifikat der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm ab und erfüllt die Richtlinien der Deutschsprachigen Gesellschaft für psychosoziale Onlineberatung (DGOB) e. V.

Alle Infos zu der Weiterbildung, den Inhalten, Referent*innen und Kosten sind auf der Website des Instituts für E-Beratung hier zu finden. Die Anmeldung für alle Durchgänge ist ab sofort möglich.

Gutes Interview zum Thema „Online-Therapie“

Bei Stern.de findet man ein gutes Interview zur Online-Therapie – zum Glück mal mit Fragen, die nicht bei den üblichen Vorurteilen hängen bleiben und Antworten, die differenziert sind.So werden u.a. auch Qualitätsfragen beantwortet und noch offene „Baustellen“ direkt angesprochen.

http://www.stern.de/gesundheit/depression–aengste–soziale-phobie–was-online-therapien-bringen-6759736.html

Abschlussbericht zum Forschungsprojekt „Online-Supervision“

Im Januar haben wir am Institut für E-Beratung ein DGSF-gefördertes Forschungsprojekt zum Thema „Online-Supervision – Systematische Bestandsaufnahme eines neuen Arbeitsfeldes“ abgeschlossen. Der Bericht zum Projekt ist online verfügbar und kann auf den Seiten des Instituts für E-Beratung heruntergeladen werden. Und zwar hier

Kurze Rückschau auf den Fachtag „Onlinekommunikation in Beratung und Supervision“

Gestern fand in Frankfurt der Fachtag zum Thema „Onlinekommunikation in Beratung und Supervision“ statt, den das Institut für E-Beratung gemeinsam mit der Fachgruppe Onlineberatung (vertreten durch Joachim Wenzel, SPI Mainz) veranstaltet hat.

In zwei Vorträgen von Prof. Richard Reindl zum Thema „Analoge und Digitale Kommunikation – Chancen für Beratung“ und von Dr. Joachim Wenzel zum Thema „Neue Medien in der Beratung“ wurden die knapp 30 Teilnehmenden in die Besonderheiten von Onlinekommunikation und die gesellschaftlichen Veränderungen durch die fortschreitende Digitalisierung und Mediatisierung unser Alltagswelt eingeführt. Wenzel beschäftigte sich in seinem Vortrag zudem mit dem „Mythos der Unmittelbarkeit“ von „Face-to-Face“-Kommunikation/Beratung und führte den Zuhöhrer*innen in anschaulicher Weise vor Augen welche Rolle Medien schon immer in Hinblick auf unsere Kommunikation gespielt haben. Online zu kommunizieren und sich hierfür entsprechender Medien zu bedienen ist folglich die logische Konsequenz mit der sich Beratende auseinandersetzen müssen.

In drei Workshops hatten die Teilnehmenden sodann die Gelegenheit sich mit speziellen Themen und Fragestellungen zu beschäftigen. Maria Große Perdekamp (Leiterin der BKE Onlineberatung) und Nina Schweigert (Leiterin der YouthLifeLine Onlineberatungsstelle) berichteten aus ihrer Arbeitspraxis – zum einen in einem großen von Fachkräften getragenen Portal der Erziehungs- und Jugendberatungsstellen, zum anderen in der Variante der Peer-to-Peer Beratung, die durch Fachkräfte im Hintergund begleitet wird.

In meinem Workshop zum Thema „Onlineberatung und -Supervision freiberuflich“ hatte ich das Vergnügen mit interessierten und kritischen Teilnehmenden darüber zu diskutieren, welche Möglichkeiten für Freiberufler und Selbständige bestehen, Onlineberatung (in dem Fall natürlich kostenpflichtig) anzubieten. Es wurde über Konzepte und Finanzierungsfragen ebenso diskutiert, wie über technische Voraussetzungen und Qualifikationserfordernisse. Spannend war für ich vor allem, wie unterschiedlich die Teilnehmenden bislang Onlinekommunikationskanäle für die Erhaltung nutzen. Gefreut habe ich mich über das schöne Feedback, besonders von einer Teilnehmerin, die den anderthalbstündigen Workshop als „kostenlose Start-Up Beratung für SupervisorInnen“ bezeichnete.🙂

Das Thema „Beratung per Video“ mit dem ich mit zur Zeit intensiver beschäftige kam hierbei auch immer wieder ins Gespräch. Nach wie vor steht. Hier aber die Problematik einer gesicherten technischen Lösung im Raum – hier müssen die Softwareanbieter noch geeignet Antworten finden, um eine sichere und stabile Übertragung zu ermöglichen.

Alles in allem ein spannender Fachtag mit vielen anregenden Ideen, Gesprächen und Menschen!

Ein wichtiges Onlineberatungsangebot für Betroffene sexualisierter Gewalt

Meine Seele schreit“ – so lautet die Überschrift eines lesenswerten und berührenden Artikels über das Onlineberatungsangebot www.gewaltlos.de, das Mädchen berät, die von körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt betroffen sind.

Als Onlineberaterin, die viele Jahre lang eben solche Mädchen und junge Frauen beraten hat, weiß ich, wie wichtig ein solches Angebt für diese ist. Oftmals ist es die einzige Möglichkeit gehört zu werden und noch viel wichtiger: Vertrauen zu fassen. Gerade in diesem sensiblen und schambesetzen Themenfeld bietet Onlineberatung eine besondere Chance, da die Ratsuchenden sich in geschützter Atmosphäre mit ihrer Situation und ihren Erfahrungen auseinandersetzen können. Sich schreibend öffnen und mitteilen, was oftmals nicht aussprechbar erscheint – wichtig, dass es solche Angebote in der Onlineberatung gibt!

Stärken, Schwächen? Ressourcen! Beitrag zur Blogparade von Svenja Hofert

Svenja Hofert hat auf ihrem HR- und Karriereblog zur Blogparade rund um das Thema „Stärken“ eingeladen. Also mal sehen, was mir dazu in den Sinn kommt…

Für mich fängt es schon beim Wort selbst an. Stärken. In meinem Kopf geht eine fast endlose Assoziationskette los: Stärke zeigen, stärker sein, sich stärken…und auch gleichzeitig Schwäche, schwächer werden, eine Schwäche für etwas haben…

Bewusst wird mir bei meinem Gedankenspiel aber auch, dass ich die Begriffe „Stärken“ und „Schwächen“ in meinem Wortschatz gar nicht so sehr häufig verwende. Auch im Kontakt mit meinen Kund*innen in Supervisions- anderen Beratungsprozessen spreche ich eigentlich so gut wie nie von Stärken und Schwächen. Ich benutze vorwiegend das Wort Ressourcen.

Ressourcen können sowohl Stärken als auch Schwächen sein und beide haben in unserem Leben einen Platz, denn sie haben auch einen Nutzen. Dinge, die uns stark machen, die wir gut können, die uns helfen psychisch und physisch gesund zu leben sind ebenso wichtig wie all Jenes , das uns vermeintlich schwach macht. Sie bringen uns dazu inne zu halten, uns zu prüfen, auch mal „Pause“ zu machen und zu schauen, wie es weitergehen kann. Eine Schwäche wahrzunehmen und eingestehen zu können ist also auch eine Stärke. Vielleicht eine der größten überhaupt – denn sie ermöglicht uns ein großes Geschenk: uns weiterentwickeln zu können.

Nun kommen Beratungssituationen häufig zustande, da sich jemand nicht gut fühlt, eine „Schwäche“ bei sich (oder auch anderen) empfindet und – so höre ich es oft – „Klarheit“ gewinnen möchten. Durch diese erhofft sich der Eine oder die Andere vielleicht auch wieder Stärke zu spüren und wieder tatkräftig werden zu können. Man kann ein Beratungsgespräch also auch mit diesem Fokus führen: Was schwächt sie gerade? Warum ist das so usw.?

Als Systemikerin arbeite ich natürlich eher lösungs- und – da kommt es wieder – ressorcenorientiert. Ich interessiere mich zu erfahren, was „da“ ist – ohne es in Stärken und Schwächen zu kategorisieren und damit auch zu bewerten. Mit dem was da ist dann weiter zu arbeiten und Lösungsideen zu entwickeln macht Beratung für mich so spannend! Das auf Virginia Satir zurückgehende Konzept des „Reframing“ knüpft genau hier an: Das was als „Schwäche“ erlebt wird, kann zu einer „Stärke“ umgedeutet werden. So können Eigenschaften, die zunächst als belastend oder „schlecht“ empfunden werden in einem neuen Licht erscheinen. Ihr Nutzen wird sichtbar.

Nichts anderes tun in der Regel auch Menschen in Bewerbungsgesprächen, wenn sie zu ihren Stärken und Schwächen befragt werden. Kaum einer nennt wirklich seine Schwächen („Ich kann schlecht mit Zahlen umgehen“). Meistens deutet man eine Schwäche charmant zu einer Stärke um. „Ich bin oft ungeduldig – mir ist es einfach wichtig, dass Projekte gut vorangehen und Themen nicht auf der Strecke bleiben.“ Na, das klingt doch gar nicht so schlecht…

Da ein wesentlicher Anteil meiner Beratungsgespräche in schriftlicher Form stattfindet, gewinnt das Thema Stärken oftmals eine doppelte Bedeutung: Im Schreiben erkennen viele Menschen erst ihre Stärken – und oft ist das Schreiben selbst dann eine unerwartete oder bis dahin unbekannte Stärke.

Zurück noch einmal zu den Ressourcen. Laut Duden ist dies ein Bestand, ein Vorrat oder auch eine Substanz. Dies umfasst sowohl Stärken, als auch Schwächen. Ein guter Bestand an Stärken und Schwächen rüstet uns aus für’s Leben. Wer über gute Vorräte verfügt, auf die  in entsprechenden Situationen zurückgegriffen werden kann, ist reich an (Lebens-)Erfahrung. Die Substanz auf der unser Leben steht und auf die wir zurückgreifen können, hilft uns die „richtigen“ Entscheidungen zu treffen.

Und was „richtig“ ist, wissen wir oft erst nachdem wir eine Erfahrung gemacht haben – vielleicht haben wir Stärke gespürt, vielleicht Schwäche erlebt. Im besten Fall aber haben wir etwas gelernt, das uns voran bringt. Stark.

 

Über die Bedeutung von Sprache im Online-Coaching

In letzter Zeit habe ich mir viele Coaching-Angebote angeschaut, die mit „Online-Coaching“ für sich werben. Dabei findet man allerhand spannendes, vieles hat mich aber auch erstaunt und ziemlich nachdenklich gemacht. Das mag daran liegen, dass ich mich selbst nicht als Coach beszeichnen würde, sondern Supervisorin bin und dahinter (vielleicht ein typisches Klischee?) für mich eine andere Haltung steckt.

Mir scheint es, als sprächen manche (nicht alle!) Coaches eine ganz eigene Sprache, die sehr leistungsorientiert klingt und mit plakativen und teils provokanten Adjektiven bestückt ist. Auffällig wird dies dann besonders im Online-Coaching oder zumindest in den Beschreibungen der Coaches, die man auf den entsprechenden Webseiten findet. Da ist dann die Rede von „Top Leistungsträgern„, es wird mit „8 radikalen Tipps für mehr Erfolg“ geworben und ähnlichem. Mich schreckt dies eher ab (vielleicht bin ich aber auch einfach nicht der Kunde für so ein Coaching?).

Die Bedeutsamkeit von Sprache im Onlinekommunikationsprozess, wo jedes Wort eine Wirkung entfalten soll ist ein Thema, dass mich in den letzten Jahren immer wieder beschäftigt hat. Achtsamkeit in der Sprache und Wortwahl halte ich für ein – wenn nicht das – wesentliches Element für eine gute Onlineberatung/supervision und ja, auch für ein gutes Online-Coaching. Und für mich tun sich Fragen auf, wenn ich dann solche (in meinem Empfinden) „krassen“ Beschreibungen lese: Richtet sich (Online-)Coaching nur an Menschen, die an „mehr Leistung“ und „extremen“ Lösungen interessiert sind? Werden auch Menschen von solchen Aussagen angesprochen, die noch auf der Suche sind und vielleicht sogar unter „zuviel Leistungsdruck“ leiden? Ich bin unsicher…

Vielleicht mag es aber auch am stärkeren Marketingfaktor liegen, der im Coachingbereich eher vorhanden ist, als im Feld von (meist kostenfreier) Beratung oder Supervision?

Wer aufmerksam liest wird sich und mich jetzt fragen: Warum heißt denn dann dieser Blog „Online-Coaching-Blog“, wenn für mich manches im Coaching so negativ klingt?  :-) Eine berechtigte Frage, die ich gerne so beantworte: Der Name geht zurück auf mein persönliches Verständnis von „Coaching“. Nämlich einer ergebnisoffenen Form der Anregung und Unterstützung für Menschen, die Lust haben etwas Neues kennen zu lernen und auszuprobieren und dafür gerne auf das Wissen und die Erfahrung einer anderen Person (Coach) zurückgreifen möchten, um sich inspirieren zu lassen. Und genau dazu dient dieser Blog!

 

Onlineberatung beim Schweizer Sorgentelefon nimmt zu – Telefonberatung erstmals rückläufig

In diesem kurzen Pressebericht erfährt man, dass die Telefonberatung des Schweizer Sorgentelefon Tel143 zum ersten Mal rückläufig ist – in der Onlineberatung hingegen steigen die Zahlen an. Nicht überraschend ist, dass die Nutzer*innen der Onlineberatung jünger sind als die Anrufer. Auch hier erhält wieder das Thema „Suizid“ einen wichtigen Stellenwert.

In Deutschland berät rund um das Thema „Suizid“ vor allem YouthLifeLine vom Arbeitskreis Leben e. V. seit vielen Jahren kompetent und mit dem besonderen Ansatz der Peer-to-Peer-Beratung. Das Angebot wurde zudem Ende vergangenen Jahres mit dem Deutschen Engagementpreis ausgezeichnet.